Atmosphäre in Coronazeiten, Foto: Damian Gawlas

Atmosphäre in Coronazeiten

– Herausforderungen & Chancen für Unternehmen –

Corona hat vor allem eines gebracht: Unsicherheit. Und zwar gesundheitlich, gesellschaftlich, wirtschaftlich.

Auch Unternehmen stehen, wie alle, vor der Herausforderung, mit dieser ständig vorhandenen Bedrohung umzugehen.

Die Verantwortung für MitarbeiterInnen und KundInnen ist vielschichtig. Geht es zum einen um Infektionsschutz, so sollen auf der anderen Seite auch alle motiviert und überzeugt bleiben. Da reicht es nicht mehr, auf die sonst üblichen Marketingmaßnahmen zu setzen. Es geht plötzlich um grundlegende Emotionen. Um Vertrauen, um Verantwortung und darum, dass Menschen diese spüren. Es geht um eine Atmosphäre der Sicherheit.

Viel zu oft ist der Umgang mit Corona noch nach dem persönlichen Empfinden der Geschäftsführung gestaltet und nicht nach den Bedürfnissen der Menschen, die hier arbeiten oder zu Gast sind. Dabei muss die Grundprämisse sein, immer den Schwächsten als Maßstab zu nehmen. Also denjenigen, der z.B. zur Risikogruppe gehört oder per se eher ängstlich und vorsichtig ist.

Die Herausforderung dabei ist, Sicherheitsvorkehrungen mit einer guten Atmosphäre zu verknüpfen. Denn es geht uns sicher allen so, dass wir uns unbewusst anspannen, wenn wir auf Warnschilder, Absperrbänder und abgeklebte Laufwege blicken. Wo wir hingehen: Wir sind von Gefahr umgeben. Und zwar auch visuell und atmosphärisch – ganz gleich, ob in Geschäften, im Bahnhof oder in der Arztpraxis.

Die meisten Unternehmen verfügen inzwischen bereits über die Basis-Ausstattung. Also Warnschilder, Hygieneequipment, Plexiglas. Sozusagen die Must-Haves. Den Unterschied machen aber die zusätzlichen Maßnahmen. Also, was tun?

Zuallererst: Sich Gedanken machen. Und zwar wirklich. Ein solches Konzept wird nicht aus dem Ärmel geschüttelt. Für Ideen einfach einmal mit offenen Augen durch die Stadt gehen, bei den Mitwerbern schauen (vor Ort oder/und online), MitarbeiterInnen und KundInnen befragen, recherchieren.

Planen: Was von dem, was gesammelt wurde, macht für das eigene Unternehmen Sinn? Was kann unkompliziert umgesetzt werden? Sind noch ganz neue Ideen gekommen? Die Gedanken sollten weiter gehen, als bis zu den Standards. Was wäre ein wirklicher Service für KundInnen, worüber würden sich diese freuen? Auf der Hand liegen ein erweitertes Online-Angebot und Liefermöglichkeiten. Ergänzt durch kleine Aufmerksamkeiten, wie ein Goodie-Bag mit einer netten Überraschung zum Wohlbefinden, oder ein fröhlich bedruckter Mund-Nasenschutz zum Mitnehmen oder kleine Desinfektionsflaschen, auf denen ein Aufkleber vom Unternehmen mit einer Mut machenden Botschaft aufgebracht ist.

Sinnvoll sind zusätzlich erweiterte Serviceleistungen, wie kleine Serien in Form von Videoclips für die Homepage oder Social Media. Je nach Branche, gibt es hier viele Möglichkeiten: Rezepttipps mit Kochanleitung bei einem Restaurant, Gesundheitstipps von einer Arztpraxis, Buchvorstellung bei einem Buchladen. Aber auch analoge Serviceideen gibt es viele. Von dem Mode-Paket für zuhause, was nach Absprache mit den KundInnen zusammengestellt wird und in Ruhe zuhause anprobiert werden kann bis zum Abhol- und Bringservice der Autowerkstatt.

Empfehlenswert ist auch, die MitarbeiterInnen regelmäßig einzubinden und zu erfragen, wie es ihnen geht und ob sie Verbesserungsvorschläge haben. Und ihnen außerdem zu vermitteln, dass an ihr Wohlergehen gedacht wird. Wie wäre es, im Winter in eine Teeauswahl und kleine Thermoskannen zu investieren, damit jede/r Mitarbeitende beim Lüften etwas Warmes hat? Oder etwas so Grundlegendes, wie ortsunabhängige und flexible Arbeitszeiten einzuführen, um insbesondere Familien zu entlasten (das ist selbst bei vielen Unternehmen, die es organisatorisch könnten, längst nicht selbstverständlich).

Nach innen kommunizieren: Gute Gedanken sind toll, aber wenn diese nicht auf allen Ebenen des Unternehmens umgesetzt und gelebt werden, bringen sie nichts. Vom Empfang, Verkauf, Kundenbetreuer bis zu den Führungskräften, sollte eine einheitliche Linie gelten. Das kann aber nur funktionieren, wenn auch jeder weiß, was er oder sie zu tun hat. Also klar kommunizieren, schulen, nachjustieren, unterstützen, wertschätzen.

Nach außen kommunizieren: Wer gute Ideen hat, sollte diese auch nach außen kommunizieren. Auf der Homepage zum Beispiel. Oder über ein Plakat an der Eingangstür, das zeigt, was hier für die Sicherheit getan wird, anstatt nur die Pflichten für die Besucher aufzulisten. So wird deutlich, dass sich das Unternehmen Gedanken macht und handelt.

Denn jede Aktion, die gemacht wird, ist eine Botschaft: “Wir kümmern uns – ihr seid uns wichtig”. Und zwar nicht nur als Slogan auf einem Plakat, sondern spür- und erlebbar vor Ort. Nur so behält und gewinnt man Vertrauen.

Darin liegt auch eine Chance. Denn es macht deutlich, dass das Unternehmen vordenkt, Verantwortung übernimmt und in der Lage ist, sich kreativ auf neue Anforderungen und auf Wünsche einzustellen.

Unternehmen sollten gerade jetzt zeigen, dass sie – neben all den wirtschaftlichen Herausforderungen dieser Zeit – ein echtes Interesse an der Fürsorge für die Menschen haben, von denen das Unternehmen lebt.

Text: Maike Kristina Harich

Foto: Damian Gawlas/Unsplash